Macht das, wo ihr Spaß dran habt

Vorbild für eine Schulklasse

In Kooperation mit der Bildungsinitiative Teach First Deutschland gibt die millionways-Stiftung jungen Menschen die Möglichkeit, Vorbilder aus dem Berufsleben kennenzulernen. millionways-Unterstützer und Fan Daniel Held stattete der Realschule Crange in Herne im Rahmen ihrer Talent-AG einen Besuch ab und erzählte den Kindern, was ein Online-Redakteur und Journalist so macht.

"Ein kleines bisschen mulmig war mir schon, was mich erwarten würde. Zum einen hatte mir der Leiter der Talent-AG, Sawas Amanatidis, berichtet, dass es schwer sei, Vorbilder zu finden, die den Kindern in Herne von ihrem Beruf erzählen. Zum anderen hatte ich noch nie vor einer Klasse oder ähnlich vielen Leuten gestanden. "Wird schon schief gehen", wischte ich all meine Zweifel optimistisch beiseite. Über die Einladung hatte ich mich gefreut und natürlich direkt zugesagt. Als Schüler hätte ich es schließlich auch begrüßt, wenn jemand aus dem Berufsleben kommt und mir von seinen Erfahrungen erzählt. Das teilte ich den fast 20 Jungen und Mädchen der Klassen 7 und 8 auch mit.

Und so begann die Stunde mit einem Interview, das eine Schülerin mit mir vor der Klasse führte. "Warum machen Sie Ihren Job" und "Was gefällt Ihnen am Schreiben", waren die ersten Fragen, auf die ich Antworten finden musste. Den Schülern war fast ein Rätsel gewesen, wie jemand tatsächlich Spaß am Verfassen von Texten haben könne. "Als Journalist ist es meine Aufgabe, objektiv zu berichten. Daher hole ich mir von mehreren Seiten Meinungen ein und mixe sie zusammen mit meinen Recherchen zu einem großen Ganzen", klärte ich die Klasse über die typische Vorgehensweise bei einem Artikel auf. Anschließend erklärte ich den Kindern, dass das Spannende und Herausfordernde sei, möglichst wenige Wörter in einem Satz zu verwenden. Und dass die Mischung aus Texte erstellen und Websites gestalten das sei, was mir Spaß bereite. Gelernt habe ich vor fast zehn Jahren nämlich Online-Redakteur.
 

"Macht das, wo ihr Spaß dran habt!"

Die Klasse hörte mir aufmerksam zu. Und die Zeit verging überraschenderweise schnell. Nach dem Interview war Platz für eine offene Fragerunde. Ob es schwierige Momente in meinem Berufsleben gegeben habe, wollte eine Schülerin wissen. Ich antwortete ihr, dass diese Situationen nicht ausbleiben. "Ich versuche immer eine gemeinsame Basis zu finden, um gut zusammenzuarbeiten", führte ich aus, wohlwissend, dass das nicht immer gelingen kann. "Manchmal ist es daher besser, solche Situationen zu verlassen und etwas anderes zu machen." Ich erzählte, dass ich seit 2015 selbstständig bin. Und sicherlich Kunden habe, mit denen ich ganz besonders gut kann – wie zum Beispiel MetaDesign, eine Markenagentur in Düsseldorf. Oder Utopia, das Portal für nachhaltige Konsumberatung, wo ich total hinter den Themen stehe.

Bevor wir uns alle mit selbst mitgebrachten Snacks der Kinder stärkten, gab ich den jungen Menschen Tipps aus meiner beruflichen und Lebenserfahrung heraus: "Macht das, wo ihr Spaß dran habt und seid engagiert. Denn es bringt nichts, wenn ihr jahrelang einen Job ausübt, der euch kaputt macht." Einzelne Schüler kamen dann noch gezielt zu mir, und wenige Minuten später verabschiedete ich mich mit den besten Wünschen für die Zukunft. "Kommen Sie wieder?", wollte ein Mädchen wissen. Diese Frage konnte ich nicht mit Garantie beantworten. Doch eins wusste ich: Die Initiative ist super, ich habe sie gerne unterstützt und ich glaube, für die Schulklasse hat sich mein Besuch aus Köln auch gelohnt.“

Meinungen zum Bildungssystem

Nun wurde er eingeführt, "Der Tag der Bildung". Dieser soll sich jährlich zum 8. Dezember wiederholen und das Thema Bildung in neuer Form in die Öffentlichkeit tragen. Parallel wurde eine Studie zu Einstellungen und Meinungen junger Menschen zum Bildungssystem veröffentlicht. Auch wenn wir nicht sehen, dass Studien ein Schlüssel zur Erkenntnis sind, geben wir hier gerne einige Ergebnisse der FORSA Studie wieder.

Auf ein eigenständiges Alltagsleben fühlen sich die meisten 14- bis 21-Jährigen durch die Schule nicht gut vorbereitet. Insgesamt 81 Prozent geben dem System diesbezüglich schlechte Noten. Jüngere Befragte von 14 bis 16 Jahren und Schüler sagen indes häufiger als die anderen Befragten, dass sie sich durch die Schule gut oder sehr gut auf ein eigenständiges Alltagesleben vorbereitet fühlen. Dies verwundert uns nicht, da die Schüler ja noch gar nicht wissen können was ein eigenständiges Alltagsleben bedeutet. Dagegen glauben die Befragten zwischen 19 und 21 nicht, dass die Schule gut auf die Erfordernisse des täglichen Lebens vorbereitet. In dieser Altersgruppe sind viele bereits zu Hause ausgezogen – was sie in der Schule lernten, hilft ihnen im Alltag auf eigenen Füßen offenbar wenig. 

Daneben werden in der Studie Themen wie Chancengerechtigkeit und Vorbereitung auf den Beruf thematisiert. Mehr zur Studie erfährt man auf der Internetseite des Stifterverbandes, einem der Initiatoren des "Tag der Bildung."

Wir verlieren die Fähigkeit, nichts zu tun

Gemäß einer Studie aus Australien verbringen Menschen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren am Tag 3,2 Stunden damit, ihr Handy zu nutzen. Das sind rund 7 Wochen pro Jahr, oder knapp 2 Monate eines Jahres. Dabei wird das Handy Täglich rund 150 mal zur Hand genommen. Diese Zeit wird zu 63 % für Social Media verwendet, gefolgt von Filmen und Videos. Auf den Handys befinden sich im Durchschnitt rd. 65 Apps von denen wiederum nur 10 % verwendet werden. Zum Vergleich: Die Generation der sogenannten Baby Boomer (Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre geborene) nutzt das Handy rund 1 ½ Stunden am Tag, rund 3 ½ Wochen im Jahr.

Der Leiter der Studie fasst seine Ergebnisse sinngemäß mit den Worten zusammen, dass wir die Fähigkeit verlieren, einfach gelangweilt oder ruhig zu sein. Stattdessen findet stetig Entertainment statt, durch permanenten Zugriff auf Videos und den fortwährenden Drang dazu, sich abzulenken - durch Konsumieren, Aufnehmen oder Teilen von Inhalten. Dies verändere die Gesellschaft maßgeblich, da insbesondere der Kontakt zu anderen Menschen nicht mehr gegeben ist.

Arbeitsgemeinschaften an Schulen

Mit unserer Genius Talent Ag bietet auch millionways eine Arbeitsgemeinschaft für Schüler an. Diese dient der Entdeckung des eigenen Talents wie der Einübung von Selbstverantwortung. Sicherlich gar keine leichte Aufgabe sich auf diese Themen einzulassen, wenn man vierzehn Jahre alt ist.

In der Realität sehen wir nun an vielen Schulen, wie - freiwillige oder verpflichtende - Arbeitsgemeinschaften das Interesse der Schüler suchen. Mittlerweile haben Schüler an vielen Schulen eine breite Auswahl. Kunstprojekte, Theater, Film, Medien, Selbsterfahrung oder das das Thema Religionsgemeinschaften stehen zur Auswahl. Es gibt die Möglichkeit Schach zu lernen, oder eben unsere Talent Ag, welche die Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt und auch als Vorbereitung auf die Berufswahl - bei vielen Schülern in nicht allzu weiter Ferne - verstanden werden kann.

All diese Angebote haben es schwer, wenn parallel die "Klassiker" wie Fußball, Basketball, Tischtennis, also generell Sport angeboten wird. Sport ist in jeder Hinsicht wichtig, da es hier um Bewegung, Koordination, Konzentration , Verhalten (Mannschaftssport) geht. Wir fragen uns dennoch, warum die musischen Bereiche - oder schlicht jene der Auseinandersetzung mit komplexeren Themen - im Grunde "gegen" den Sport antreten müssen. Und damit kaum eine Chance haben Interesse zu finden. Hier werden - unnötige - Konkurrenzsituationen geschaffen. Denn natürlich tendiert ein Schüler oder eine Schülerin dazu auch Gruppenzwängen zu folgen. Gehen die "Kumpels" in die Fußball Ag, wie sieht es da aus, wenn ich in das Kunstprojekt einsteige?

Wir meinen es wäre im Hinblick auf die vielen tollen Angebote an Schulen an der Zeit, den Sportbereich auszulagern, also stetig als Angebot an der Schule zu ermöglichen, anstatt diese "klassischen" Ag Bereiche in Konkurrenz zu - auf den ersten Blick - anspruchsvollere Angebote zu stellen, welche man erst erleben muss, um im Anschluss ihren Wert zu erkennen. Es würde der Schule in ihrer Gesamtheit dienen, wenn alle Schüler an Sport und einer Arbeitsgemeinschaft teilnehmen. 

Die Sommerferien...

sind in Nordrhein-Westfalen vorüber. Und an der Realschule Crange in Herne Wanne-Eickel wählen die Schüler der Stufe 7 bereits ihre Arbeitsgemeinschaften. Hier wird auch unsere Genius Talent Ag angeboten. Diese wird von Sawas Amanatidis, Fellow bei TeachFirst, geleitet. Sawas ist bereits das zweite Jahr an der Realschule Crange. Und wir planen derzeit den Kick-Off-Workshop für diejenigen Schüler, die an der Talent Ag teilnehmen.